TRENDforum mit Dr. Stephan Schulmeister

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Dr. Stephan Schulmeister, einer der bekanntesten Wirtschaftsforscher Österreichs, war Stargast beim letzten Trendforum am Campus in Wieselburg. Unter dem Titel „Europa steckt in einer Depression. Wie kommen wir da wieder raus?“ regte er das Publikum zum Nachdenken und Diskutieren an.

//. Europa steht derzeit vor großen Herausforderungen.

Wir haben die höchste Anzahl an prekären Beschäftigungsverhältnissen seit langem, die Arbeitslosenrate ist im Steigen begriffen. Besonders stark betroffen sind junge Menschen mit geringer Bildung, Menschen mit Migrationshintergrund und Frauen. Ungleichheit und Armut nehmen zu. Eine mögliche Folge davon ist politische Destabilisierung und zunehmender Rechtspopulismus.

Eine weitere Bedrohung Europas ist die Deflation, also fallende Preise.

Den Weg, den die Europäische Zentralbank (EZB) gerade einschlägt, um die Wirtschaftskrise zu bekämpfen, ist den Markt mit Geld zu fluten. Die EZB kauft den europäischen Banken Anleihen ab, dadurch bekommen die Banken Geld, das sie z. B. an KundInnen für Kredite weitergeben können. Ob die Banken dies letztendlich auch tun, bleibt abzuwarten.

Alles in allem betrachtet, befindet sich Europa derzeit in einer wirtschaftlichen und sozialen Depression. Wirtschaftlich gesehen befindet sich eine Volkswirtschaft dann in einer Depression, wenn sie von sich heraus keinen Aufschwung mehr zusammenbringt.

Dass die europäische Politik derzeit vom Dogma des Sparens geprägt ist, ist aus Sicht von Stephan Schulmeister auch nicht gerade der beste Weg aus der Krise.

//. Der Rebel unter Österreichs Wirtschaftsforschern.

Was den Wirtschaftsforscher von anderen Vertretern seiner Zunft unterscheidet, ist genau diese kritische Haltung gegenüber der Sparpolitik der Regierungen. Seiner Meinung nach ist Sparen nicht der geeignete Weg aus der Krise: Sparpakete führen unter anderem dazu, dass Menschen weniger Geld  zur Verfügung haben, was wiederum die Unternehmen zu spüren bekommen.

Abschließend lässt Stephan Schulmeister mit ungewöhnlichen Vorschlägen aufhorchen, um die Krise zu bekämpfen, nämlich mit systemischen Ansätzen: So plädiert er unter anderem dafür, die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern, Finanzspekulanten aus der Währungsspekulation zu verbannen oder einen Europäischen Währungsfonds zu gründen.

Die Frage, ob das Primat der Politik oder das Primat des Marktes höher zu stellen ist, muss jeder für sich selbst beantworten.

Autorin

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Mag. Andrea Kovacic, MBA